Hong Kong - auf der Suche nach der wirklichen Caridina serrata

Die bekannte Bienengarnele [A1/10] C. spec. wurde in der Vergangenheit als C. serrata bezeichnet, als Herkunft Lam Tsuen angeführt.
Nun ist aber C. serrata endemisch in Hong Kong Island und aktuell nur von einer Fundstelle belegt. Lam Tsuen liegt dagegen auf dem Festland in den New Territories. Was lag also näher, sich die Sache einmal vor Ort anzuschauen. Im März 2003 gegen Ende der "Trockenzeit" war es soweit.

Der erste Trip führte nach Tai Tong im Nordwesten der New Territories. Hier liegt der (bislang einzigste) Fundort von Caridina apodosis.
Auch diese Art gehört zur "serrata-Gruppe", besitzt aber im Gegensatz zu allen anderen Arten ein sehr langes Rostrum.
Die einzigste wasserführende Stelle der Gegend war zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Bach mit Wasserfall in der Nähe eines kleinen Vergnügungsparks. Der Wasserfall tröpfelte nur spärlich, zur Regenzeit entwickelt er sich allerdings zu einem mächtigen Sturzbach.


   Wassertemperatur 14,9 °C
   pH 6,9
   Leitwert 39µS

   Kein Pflanzenbewuchs, Äste, Laub
   sandiger Bodengrund.
   Wenige Mittelgroße Fische.
Caridina apodosis haben wir nicht gefunden, wohl aber die weitverbreitete Caridina cantonensis. Die hier gefundenen Exemplare
wichen allerdings teilweise in der Rostrumausbildung von der bekannten Bandbreite ab.



Caridina cantonensis Yü, 1938




Weiter ging es dem Lam Tsuen River entlang in Richtung Kadoorie. Der Lam Tsuen wird so wie sehr viele Flüsse und Bäche
in Hong Kong mit Beton verfestigt, um so die alljährlichen Regenwassermassen abzuleiten und Überschwemmungen zu verhindern. Aber leider
auch mit fatalen Folgen für die Natur.


Kadoorie ist eine ehemalige Gemüsefarm an einem cirka 600m hohem Berg. Ein Bach entspringt kurz unterhalb des Gipfels und mündet
schließlich in den Lam Tsuen. Dieser Bach wurde von D. Dudgeon als Fundstelle von C. cantonensis angegeben und richtig fanden wir
in einer Anstauung die Art mitten in einer etwa 20 cm starken Laubansammlung. Darunter war trotz der kühlen Temperaturen
auch ein tragendes Tier. In Kadoorie wird auch heute noch biologischer Gemüseanbau betrieben, hauptsächlich ist es aber inzwischen ein beliebtes Ausflugsziel mit kleinem Zoo.

   Wassertemperatur 14,2 °C
   pH 6,8
   Leitwert 71µS

Wer in Hong Kong ist, sollte unbedingt auch einmal den Fischmarkt in Aberdeen an der Südküste von Hong Kong Island besuchen.
Mit Sicherheit kann man hier zahllose Crustaceen finden, die allerdings nicht für das Aquarium bestimmt sind.



Doch wir waren ja hauptsächlich wegen Caridina serrata hergekommen. Die von Stimpson 1860 beschriebene Art galt lange Zeit als unsicher.
Die Typussexemplare stammten aus einem Bach in der Nähe des Victoria Peak auf Hong Kong Island, sind aber bereits 1872 verloren gegangen. Durch D. Dudgeon wurden vor einigen Jahren neue Exemplare aus einem Bach in den "Hill above Belchers" gesammelt, dem einzigen
derzeit belegten Fundort der Art. Also auf zur Insel, zum "Peak" und dem "Hill".















Durch das trübe Wetter war die Sicht nicht besonders. Plötzlich einsetzender starker Regen verhinderte, dass wir die Gegend um den
Peak näher untersuchen konnten. Also wieder runter und weiter.
"Hill above Belchers" ist ein Hügel an der Nordwestküste der Insel und liegt im Lung Fu Shan Park. Hier gibt es nur zwei in Frage kommende Bäche, die zum Zeitpunkt auch Wasser führten.

Wassertemperatur: 17,0°C     pH: 6,0         Leitwert: 77µS

Einer der beiden Bäche war durch einen Zaun abgesperrt, der zweite zum Glück frei zugänglich. Und trotz des etwas deprimierenden
Anblickes fanden wir hier die gesuchte "echte" C. serrata in dem kleinen Rinnsal zwischen Laub und Ästen.


Caridina serrata Stimpson, 1860



Die gesuchte Art haben wir gefunden, die "Bienengarnele" jedoch nicht. Die gibt es aber in Mongkok, wo sich in einer Straße ein
Zoogeschäft neben dem anderen reiht. Am häufigsten war hier Neocaridina denticulata im Angebot, auch in einer schwarzen Form.
Gefolgt von "Tiger-" und "Tüpfelgarnelen" wurden "Bienen" allerdings nur zweimal angeboten. Nach Aussage eines Händlers stammen
die Tiere aus Südchina (vermutlich über Singapur).


Wer abends vom Büro nach Hause eilt findet für den schnellen Hunger etwas auf Markt und für das bunte Aquarium sicher auch ein kleines Tütchen in Mongkok.


-AK-